ASV Nidda
ASV Nidda - Angelsportverein Nidda und Umgebung 1959 e.V.

Die Wiederansiedelung der Äsche in der oberen Nidda

Die Nidda als größter uns längster Fluss der Wetterau nimmt einen besonderen Platz in unserer Arbeit als Verein und in unserem Selbstverständnis als anerkannter Naturschutzverband ein. So ist es eine unserer wichtigsten Aufgaben, die einst heimische Äsche in der Nidda wieder dauerhaft anzusiedeln.

Die Äsche: Leitfisch einer Gewässerregion

Biologen teilen Fließgewässer in unterschiedliche Gewässerregionen ein. Zu den Unterscheidungsmerkmalen gehören neben Temperatur, Sauerstoffgehalt, Nährstoffmenge und vielen anderen vor allem die bevorzugt anzutreffenden Fischarten. So unterscheidet man – von der Quelle bis zur Mündung ins Meer – die Bachforellen-, Äschen-, Barben-, Brachsen- und Brackwasserregion. Die ersten drei Regionen finden sich auch in der Pachtstrecke unseres Vereins wieder. Leider ist von den drei „Leitfischen“ dieser Regionen nur die Bachforelle zahlreich in der Nidda vertreten.

Schöne Äsche aus der Nidda

Die Äsche als Namensgeberin der zweiten Gewässerregion zählte einst zu den am häufigsten vorkommenden Fischarten der deutschen Mittelgebirge. Mittlerweile ist sie nicht nur in Hessen, sondern in ganz Europa so stark gefährdet, dass sie durch die Berner Konvention europaweit geschützt ist.

Die Äsche

Die Äsche (Thymallus thymallus) zählt zu unseren schönsten und anspruchsvollsten Fischen. Sie benötigt kaltes, sauerstoff¬reiches Wasser mit festem und kiesigem Untergrund, wird bis 50 Zentimeter groß und etwa zwei Kilogramm schwer. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Insekten, die sie sowohl unter Wasser als auch an der Oberfläche erbeutet. Nur große Exemplare ernähren sich auch von kleinen Fischen.

In der Laichzeit von März bis Mai legt ein Äschenweibchen bis zu 10.000 Eier bis zu vier Zentimeter tief in das Bodensubstrat überströmter Kiesbänke.

Hierin liegt eine der Hauptursachen für den dramatischen Rückgang der Äschenbestände in den letzten Jahrzehnten:

  • Querverbauungen (Wehre, Sohlabstürze und Ähnliches) verhindern das Aufsteigen der laichbereiten Äschen in Gebiete mit geeigneten Kiesbänken
  • Gewässerausbau und technische Gewässerunterhaltung haben vielerorts diese Bereiche komplett zerstört

In den letzten Jahren kam der in unseren Breiten ursprünglich nicht heimische Kormoran (Phalacrocorax carbo) als zusätzliche Bedrohung hinzu. Äschen haben – anders als etwa Bachforellen – die Eigenart, sich bei Gefahr dicht zusammen zu drängen. Damit werden sie für jagende Kormorane zu einer leichten Beute.

So wundert es nicht, dass ab den 1980er Jahren immer weniger Äschen die Nidda besiedelten, bis schließlich nur noch vereinzelte Exemplare gefangen (und wieder zurück gesetzt) wurden.

Ideale Voraussetzungen für eine Wiederansiedlung

Um dieser drohenden Verarmung des Flusses entgegen zu wirken, hat sich der ASV Nidda vor einigen Jahren die Wiederansiedlung der Äsche auf die Fahnen geschrieben. Ein sicheres Indiz dafür, dass die obere Nidda zur Fortpflanzung der Äsche geeignete Habitate aufweist, ist die Tatsache, dass die Bachforelle sich im gesamten Bereich sehr zahlreich natürlich fortpflanzt. Dies geschieht auf ähnliche Weise wie bei der Äsche. Aufgrund der Gewässerbedingungen (Fließgeschwindigkeit, Wassertemperatur, Strukturierung des Gewässers) bietet der Bereich Kernstadt Nidda bis etwa zum Ortsteil Eichelsdorf die Voraussetzungen, die Äsche in der Nidda wieder heimisch zu machen.

Mit der Fischzucht Lothar Keidel in der hessischen Rhön hierbei konnte ein zuverlässiger Partner für das Projekt gefunden werden, hat man sich dort doch auf extensive Bachforellenzucht (Rhöner Bachforelle) und die Aufzucht heimischer Äschenstämme aus hessischen Gewässern spezialisiert. Die Fischzucht Keidel konnte auch größere Mengen 10 bis 12 Zentimeter langer Jungäschen liefern. Hierbei unterliegen alle Zuchtfische einer strengen Kontrolle und werden regelmäßig auf ihren Gesundheitszustand (Viren, Parasiten und anatomischer Zustand) vom Landeslabor Hessen untersucht. Zudem gab es aus anderen Wiederansiedlungsprojekten – etwa der AG Sinntal – bereits sehr gute Erfahrungen mit diesem Fischzüchter.

Erste Erfolge

Schließlich hat der ASV Nidda im Frühjahr 2007 – aus eigenen finanziellen Mitteln – einen Erstbesatz mit 1200 Jungäschen durchgeführt. Bereits kurze Zeit später haben sich erfreuliche Ergebnisse gezeigt: So konnten bereits nach drei Monaten bei Zufallsfängen mit der künstlichen Fliege beim Forellenfischen drei Äschen von etwa 20 Zentimetern Länge fotografiert, gemessen und selbstverständlich wieder zurück gesetzt werden. Hierbei zeigte sich, dass das Wachstum der Fische im optimalen Bereich lag, was ebenfalls die Eignung der Nidda für Äschen unter Beweis stellt. Im darauf folgenden Jahr wurden drei größere Äschen bis 38 Zentimeter gefangen und sofort schonend zurück gesetzt.

Übrigens wird – selbst bei optimalem Verlauf unseres Projektes – die Äsche noch über viele Jahre weiter einem grundsätzlichen, ganzjährigen Fangverbot unterliegen. Denn es bedarf eines langen Zeitraums, um einen stabilen, heimischen Stamm aufzubauen.

Noch viel Arbeit zu leisten

Um einen nachhaltigen Aufbau einer Äschenpopulation zu erreichen, ist es notwendig, über einen fünfjährigen Zyklus Jungäschen zu besetzen. Hierdurch wird sichergestellt, dass über die Lebensspanne einer Äsche jeweils jährlich Jungfische hinzukommen, um alle Altersstufen einer Äschenpopulation aufzubauen. Nach Einsetzen der Geschlechtsreife ab zwei bis drei Jahren beim Männchen und drei bis vier Jahren beim Weibchen kommt dann natürlicher Nachwuchs hinzu.

Bei den derzeitigen Kosten für Besatzäschen kostet unser Artenschutzprojekt, ohne Berücksichtigung der ehrenamtlichen Helfer und der notwendigen Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Besatz, etwa 7.000,00 €. Dieser Betrag wird sowohl aus Vereinsmitteln als auch aus Zuschüssen des Landes und des Kreises finanziert. Einen besonders wertvollen Beitrag leisten die Gastfischer, die an der Salmonidenstrecke mit der Fliege den Forellen nachstellen: Der Erlös aus dem Tageskartenverkauf kommt zu hundert Prozent dem Äschenprojekt zugute.

Eine schöne Anerkennung der Arbeit ist natürlich die Verleihung des Wetterauer Umweltpreises an den ASV Nidda im Jahr 2009. Auch hat die Wahl der Äsche zum „Fisch des Jahres 2011“ durch den Verband deutscher Sportfischer einiges zur Popularität dieses Fisches beigetragen. Dennoch ist noch viel Arbeit zu leisten, bis die Äsche auf Dauer wieder in der Nidda heimisch ist.

Sollte die Wiederansiedlung der Äsche in der Nidda dauerhaft gelingen, hätte nicht nur die Äschenregion in der Nidda ihren Namen wieder verdient, sondern man hätte einer europaweit bedrohten Tierart bei ihrem Überlebenskampf in den vom Menschen negativ veränderten Gewässern geholfen.

Bildergalerie zum Äschenprojekt

Messwerte

Aktuelle Wasserwerte für Nidda und Eichelbach erhalten Sie auf der Seite des HLUG

Allgemein
Der nächste Arbeitsdienst findet am 21. Oktober 2017 in Wingershausen statt.
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